27. - 30. März 2025 Leipziger Buchmesse
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irgendwo dazwischen

11:30 - 12:00 Uhr Fr. 28. März
Veranstalter: Gemeinschaftsstand Österreich , edition lex liszt 12

Kurzbeschreibung

Andrea Kerstingers Gedichte und Kurztexte ziehen magisch in den Bann.

Beschreibung

Andrea Kerstingers Gedichte ziehen vom ersten Augenblick in ihren Bann, sie sind tatsächlich „irgendwo dazwischen” angesiedelt, in den Zwischenräumen von gestern und morgen. Hier werden detailgenaue Alltagsbeobachtungen abgelöst von lustvollen Sprachspielen und philosophischen Aphorismen, die Dichterin wechselt Idiome und Sprachen, überspringt spielerisch Genregrenzen, Räume und Zeiten. Einmal versprüht sie Witz und Humor, dann wieder verblüffende Weisheiten und melancholische Tiefsinnigkeit, die sich einer eindeutigen Botschaft entziehen.
Kerstingers Oeuvre lässt sich nicht in ein Korsett pressen, sondern überschreitet leichtfüßig traditionelle Spielarten von Lyrik und Prosa. Als Grenzgängerin zwischen Textgattungen verweigert sie sich Zuschreibungen und versammelt ein buntes Potpourri, in dem sich ausladend Poetisches an experimentelle Haiku, Mundart an Hochsprache fügt. Hier flattern kurze Wortsentenzen herein, wie vom Zufall geboren, fragmenthaft, dort wird ein gedankenschweres Langgedicht abgelöst von einem waghalsigen Aphorismus, der zum Lachen anregt – und alles verkündet immer wieder die Freude am Leben, reflexiv, eindringlich, weltzugewandt.
Gelegentlich schreibt die Dichterin auf Burgenländischkroatisch, das sie beherrscht wie nur mehr wenige in dem österreichischen Grenzland zu Ungarn. Irgendwo zwischen den Ortsgrenzen des Burgenlandes siedelt Kerstinger auch ihre sprachverspielten Texte an, die zum Schmunzeln anregen. Mal politisch, mal polemisch, mal poetisch, aber immer auch feministisch sind ihre Texte angehaucht. Ganz nebenbei versucht sie sich an einer persönlichen Poetologie – weniger auf / mehr zwischen den Zeilen / weniger Drama / mehr Poesie heißt es an einer Stelle! Kerstingers Lyrik nährt sich von diesen und ähnlichen Aus- und Ansichten, die Zeugnis ablegen von einer gesteigerten Aufmerksamkeit auf die Dinge des Alltags und die zugleich Aufrufe zu einer mutigen Aus/Gelassenheit sind, das Leben anzunehmen, wie es ist – das Gute wie das Böse, das Schöne wie das Traurige. Eine Befindlichkeit, die unserer Zeit abhandengekommen ist.
Das titelgebende Enigma irgendwo dazwischen ist nicht nur Überschrift, sondern Programm. So will diese kleine schillernde Textsammlung anregen zu einer post-ideologischen, universalen Sicht auf die Welt, anstatt sich gängigen Untergangsvisionen hinzugeben; insofern ist diese „Slow-Lyrik“ erfrischend un-modern, im wahrsten Sinne emotional. Kerstinger nimmt sich Zeit, behutsam beobachtet, formuliert sie, zerlegt Wortkombinationen und fügt neu zusammen; dasselbe verlangt sie nota bene von ihrer Leserin, ihrem Leser. Mag sein, dass diese Lyrik vom Ende einer und dem Beginn einer neuen Ära erzählt: Das Zeitalter der Angst schickt sich an, einer neuen Lust auf Leben, Lieben und Welt zu weichen. Gleich der Auftakt lässt keine Zweifel aufkommen, alles beginnt mit dem Gedicht irgendwo dazwischen: irgendwo / zwischen ihren Blicken / und den ernsten Worten / macht sich ein Lächeln auf die Reise // irgendwo / zwischen der Erinnerung / und dem Vergessen / brennt sich unsere Begegnung / in mein Gedächtnis // irgendwo / zwischen dem Gestern / und dem Morgen / bahnt sich / das Heute / seinen Weg in das Herz // irgendwo / zwischen ihren Worten / und seinem Schweigen / zerplatzt die Seifenblase / vom gemeinsamen Glück.

Moderation: Roman Kollmer

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Mitwirkende

Informationen zum Programm

Veranstaltungsort

Österreich Kaffeehaus  (Halle 4, Stand D201/E200)

Aussteller